Uranmunition tötet weiter – Aufklärung wird unterdrückt

Haben NATO-Soldaten durch den Einsatz von Uranmunition im Krieg um Kosovo gesundheitliche Schäden davongetragen? Viele Anzeichen sprechen dafür, auch wenn die Regierungen dementieren. Noch wahr-scheinlicher ist es jedoch, dass jugoslawische und kosovo-albanische Soldaten und Zivilisten unter den Folgen völkerrechtswidriger Kriegführung der NATO zu leiden haben. Neun Tonnen Munition mit abgereichertem Uran (DU) warf die NATO über Jugoslawien ab. Auch wenn die davon ausgehende Strahlung nur gering sein mag, so gibt es längst wissenschaftliche Erkenntnisse über die Gefahren niedrig dosierter Radioaktivität. Beim Einschlag verdampftes und zu Staub zerborstenes Uran kann eingeatmet werden und so direkt die Lunge angreifen. Und: DU ist nicht nur radioaktiv, es ist zudem hoch giftig. Niemand kann sagen, wie es sich in den nächsten Jahren in der Umwelt verhalten wird. Wird es die Böden verseuchen, das Grundwasser vergiften? Oder wird es „nur“ Kinder, die mit Munitionsresten spielen, zum Krebstod verdammen?
Sicher ist: Die NATO-Oberen wussten um die Risiken der DU-Munition. Sie haben die Gefahren für die Bevölkerung im Kriegsgebiet, aber auch für die eigenen Soldaten, billigend in Kauf genommen. Die Vorsichtsmaßnahmen der US-Army und die Sperrung bestimmter Gebiete für die Bundeswehr sprechen eine deutliche Sprache. Die Bereitschaft der Militärs und Politiker, einfache Soldaten und Zivilbevölkerung einem “durchschlagenden” Sieg zu opfern, ist nicht erstaunlich. Erstaunlich ist die grenzenlose Heuchelei, mit welcher ein Rudolf Scharping nun als Gegner der DU-Munition auftritt. War doch eine der ersten Amtshandlungen der rot-grünen Bundesregierung 1999 die Teilnahme an der Verabschiedung eines neuen NATO-Grundlagenpapiers. Darin fordert die NATO weiterhin ihr „Recht“, Atomwaffen zu besitzen, herzustellen und im Krieg auch als erste einzusetzen. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag hat 1996 nicht nur den Einsatz von Atomwaffen, sondern bereits die Drohung sie einzusetzen für völkerrechtswidrig erklärt.
Der NATO ist das egal. Mit Ausnahme von Außenminister Fischer, der zumindest den (viel zu zaghaften) Versuch einer Intervention gegen diese kriminelle Atomwaffenpolitik unternahm, schwieg die Bundesregierung. Umso nötiger ist Aufklärung durch unabhängige Wissenschaftler.

Was Prof. Albrecht Schott jedoch bei dem Versuch erlebte, Informationen gegen DU zu sammeln und zu verbreiten, schildert er in einem Brief an den Bundesnachrichtendienst:
„… seit Herbst 1999 befasse ich mich mit DU (Depleted Uranium, abgereichertes Uran) … Da DU die Erde faktisch unbewohnbar macht und die Bewohner der kontaminierten Gebiete ausrottet, habe ich im April 2000 eine Resolution zur Ächtung von DU formuliert. Juristisch fehlen nach Ansicht Einzelner Feinheiten der Beweisführung über die Wirkung von DU. Für mich persönlich bestehen keine Zweifel an der Kausalität. Zur Schließung dieser Lücke bemühe ich mich um den Nachweis der Schädigung von Organen durch DU. Im Verlauf meines Bemühens zum Erhalt entsprechender Gewebeproben wurde mir Folgendes mitgeteilt:

Ein Kurier mit Gewebeproben zur Analyse von Uran wurde auf dem Weg von Bagdad nach Amman in die Luft gesprengt. Mensch und Proben wurden zerstört. Ein sich mit der DU-Problematik befassender US-Arzt wurde erschossen. Eine (durch DU) dienstunfähig geschädigte US-Golfkriegsveteranin wurde in ihrem Auto während der Fahrt mit einem Brandsatz attackiert. Sie überlebte. Die Bremsschläuche des neuen PKws eines Wissenschaftlers, der sich mit der DU-Problematik befasst, wurden durchtrennt. Er überlebte.
Ein US-Bürger, Mitglied der humanitären Einrichtung Bruderhöfe, nahm an einem DU-Vortrag teil. Währenddessen wurde sein Haus verwüstet, nichts entwendet. Das Entsprechende habe ich ebenfalls erlebt. In seiner Abwesenheit erschienen bei der Frau eines UK-Golfkriegsveteranen, der durch DU erkrankt und an den Rollstuhl gefesselt ist, vier Polizisten und beschlagnahmten seinen PC samt der Daten.

Die Sicherungsanlage meines Hauses wurde während des Besuchs einer internationalen DU-Konferenz außer Funktion gesetzt. Die Telefon- und Internet-Einrichtung eines Kollegen wurde bisher zwei Mal außer Funktion gesetzt.

Nach Wahrscheinlichkeitsrechnung kann es sich bei diesen Vorgängen nicht um eine rein zufällige Häufung handeln. Obwohl bekannt ist, dass Medien zu manchen gesellschaftsrelevanten Tatbeständen schweigen, werde ich einige -international ausgewählte- nachrichtlich informieren. Diese Vorgänge sind unvereinbar mit Rechtsstaatlichkeit. Offenbar hat man bei humanitärer Tätigkeit dieser Art damit zu rechnen, sich in einer Leichenhalle wiederzufinden. Demnächst werde ich mich in den Irak begeben, um vor Ort die Folgen des DU-Einsatzes anzuschauen. Unsere Arbeitund der Umgang mit uns wird sorgfältig beobachtet.“

Die Antwort des Bundesnachrichtendienstes auf diese bedenklichen Vorfälle bedarf keines Kommentars:

„Sehr geehrter Herr Professor Schott, gestatten Sie mir, dass ich Ihnen zunächst zu Ihrem besseren Verständnis den Auftrag des Bundesnachrichtendienstes erläutere. Dieser sammelt als Auslandsnachrichtendienst zur Gewinnung von Erkenntnissen über das Ausland, die von außen- und sicherheitspolitischer Bedeu-tung für die Bundesrepublik Deutschland sind, die erforderlichen Informationen und wertet sie aus. Über die Erkenntnisse aus seiner Tätigkeit unterrichtet er den Chef des Bundeskanzleramtes und die Bundesminister im Rahmen ihrer Zuständigkeiten. Das von Ihnen vertretene Ziel – Ächtung des militärischen und zivilen Gebrauchs von Depleted Uranium – liegt außerhalb des gesetzlichen Aufklärungsauftrages des Bundesnachrichtendienstes. Ebenso liegen die von Ihnen geschilderten Vorfälle nicht in seinem Zuständigkeitsbereich. Eine inhaltliche Stellungnahme des Bundesnachrich-tendienstes zu Ihrem Schreiben verbietet sich deshalb. (leicht gekürzt)

Weitere ausführliche Informationen über DU-Munition gibt es auf der Homepage www.bundeswehrabschaffen.de der DFG-VK Schleswig-Holstein