Münster im Gleichschritt

Unter dem Motto „Münster im Leichtschritt“ fanden im Juni 2000 zum zweiten Mal die so genannten „Abendmärsche“ des deutsch-niederländischen Korps statt.

Tausend Soldaten im Kampfanzug, begleitet von wenigen Zivilisten, marschierten stundenlang über die Promenade und durch die Stadt, Militärfahrzeuge sicherten die Route. Bürgerinnen und Bürger waren von der massiven Militäpräsenz verunsichert, manche Älteren fühlten sich gar in vergangene Zeiten zurück versetzt. Veranstaltungen wie diese Märsche, wie die Heeresschau auf dem Prinzipalmarkt, öffentliche Gelöbnisse oder Zapfenstreiche haben in erster Linie psychologische Funktion: Die Menschen sollen an das massive Auftreten von Militär in der Öffentlichkeit gewöhnt werden. Sie sollen so akzeptieren, dass das Vorhandensein von Militär etwas „ganz normales“, dass Krieg also quasi eine Selbstverständlichkeit sei. Dabei wird an die kleinste Kleinigkeit gedacht. Traten Soldaten der Bundeswehr früher normalerweise im „Ausgehanzug“ in der Öffentlichkeit auf, so erscheinen sie heute fast ausschließlich im martialischen Kampfanzug. Der neue Auftrag der Bundeswehr wird so auch für Laien sinnlich erfahrbar.