Die Roma – Verfolgte ohne Heimat

Seit Ende der 80er Jahre kommen Roma als Flüchtlinge nach Westeuropa. Sie kamen und kommen als Opfer der Kriege auf dem Balkan, sie fliehen vor Gewalt und Vertreibung.

Kaum jemand der seitdem in Deutschland lebenden Roma hat bis heute einen gesicherten Aufenthaltsstatus erhalten. Seit Jahren leben sie unter uns, ledig-lich mit Duldungen ausgestattet ohne Zukunft und Perspektive – auch in Münster.

Die Integration in die deutsche Gesellschaft wird nachhaltig verhindert. Die Folgen sind insbesondere für die Kinder und Jugendlichen katastrophal. Nicht ausreichende Schulbildung, die Verweigerung der Berufsausbildung, keine Arbeit durch Arbeitsverbot oder Nachrangigkeit bei der Arbeitsvermittlung, beengte Unterbringung in Großunterkünften. Die aufenthaltsrechtliche Unsicherheit vermittelt den Familien über viele Jahre das Gefühl, in Deutschland nicht „ankommen“ und schon gar nicht bleiben zu dürfen.

Vertreibung der Roma aus dem Kosovo

Im gesamten Kosovo gehen seit Kriegsende nationalistische Albaner mit brutaler Gewalt und Vertreibung gegen Angehörige ethnischer Minderheiten vor, die dort seit Jahrhunderten beheimatet waren – Serben, Roma, Ashkali, Kroaten, Bosniaken, Türken, Gorani, Tscherkessen und slawische Muslime. Insb. die Roma des Kosovo sind Opfer von gewalttätigen Übergriffen, schweren Belästigungen und Drohungen, von Raub, Mord und Zerstörung ihrer Häuser.

UNHCR und OSZE beziehen in ihrer gemeinsamen „Einschätzung der Situation der ethnischen Minderheiten“ (Sept. 2000) deutlich Stellung:
„Solange die Sicherheit nicht verbessert werden kann, werden viele Minderheitengruppen weder sozial noch wirtschaftlich lebensfähig sein, von humanitärer Hilfe für ihr Leben abhängen und kaum eine andere Wahl als die Ausreise haben. Mord, Brandstiftung und weniger gewalttätige Formen der Einschüchterung stellen immer noch eine alltägliche Realität für viele Minderheitengruppen dar, deren Mitglieder unverhältnismäßig oft Opfer von Verbrechen werden.“

Die Innenministerkonferenz (IMK) hat am 23./24.11.00 das Thema behandelt:
„Die IMK ist sich darüber einig, dass aufgrund der Situation vor Ort Abschiebungen von Minderheiten in den Kosovo nicht vor April nächsten Jahres möglich sein werden.“
Die Flüchtlinge haben Angst, in wenigen Tagen oder Wochen durch die nun wieder einsetzenden Abschiebungen zwangsweise in ein Land verbracht zu werden, in dem sie an Leib und Leben gefährdet sind. Die nächste IMK findet Mitte Mai 2001 statt; welche Entscheidungen sie treffen wird, ist ungewiß.

Zukunft für das Volk der Roma

Die Roma sind ein europäisches Volk – ohne Heimat und ohne Minderheitenrechte. Die ernsthafte Beachtung der Grundrechtscharta, die Einhaltung der Europ. Menschenrechtskonvention und die innerstaatliche Umsetzung der Antidiskriminierungsleitlinien der EU verböten jede weitere Abschiebung von Roma nach Osteuropa oder das ehemalige Jugoslawien. Notwendig ist ein europaweites Bleiberecht für Roma, ohne aufenthaltsrechtliche Beschränkungen. Die Roma sollen in dem EU-Staat leben können, in dem sie leben wollen.