Thesen zum Arbeitskreis „Alternative Medien“

  1. Alternative Medien (AM) können eine wichtige Rolle spielen, um die Bevölkerung direkt oder – indirekt, über ihren Einfluss auf etablierte Medien (EM) zu informieren.
  2. AM müssen unabhängig von Kräften bleiben, die ihrem politischen Anspruch entgegenstehen. D.h.: Unabhängigkeit von Behörden, Stiftungen und anderen Geldgebern heißt in der Regel, dass sie sich aus Anzeigen, Spenden und Verkaufserlösen finanzieren müssen. (Spenden können auch mit politischen Erwartungen verbunden sein.)
  3. AM müssen professionell gemacht sein, um wirtschaftlich bestehen zu können. Unbeholfene Schreibe, schlechte Recherche, lausiges Layout und Unkenntnis in Betriebsführung und Anzeigenakquise bieten für den Anfang mitunter einen exotischen Reiz – auf Dauer sind sie jedoch Garanten für Wirkungslosigkeit und ein schnelles Aus.
  4. AM müssen sich klar darüber sein, wer die Leser sind, was sie verstehen und welches Vokabular sie beherrschen. Berichterstattung über Fakten sollte wichtiger sein als die Darstellung eigener Meinungen. Die Schreibe muss für die Leser verständlich sein, die Themen müssen die Bedürfnisse der Leser treffen. Akademische Ausdrucksweise ist nur für die Zielgruppe Akademiker geeignet (meistens wollen die das aber auch nicht lesen).
  5. AM sollten den Austausch mit Journalisten aus den EM suchen – beide Seiten können davon profitieren. Auf diesem Wege können Professionalität und auch die indirekte Werbung für die AM verbessert werden.
  6. Ein Ziel der AM sollte es sein, die Informationen aus amtlicher Quelle, auf die die EM vorwiegend zurückgreifen, zu delegitimieren. D.h.: Lügen müssen möglichst schnell entlarvt werden, die Entlarvung muss möglichst schnell verbreitet werden. Die Glaubwürdigkeit von Politikern u. Pressesprechern, die sich als Täuscher entpuppt haben, muss systematisch untergraben werden. Mitunter warten Kollegen aus den EM auch darauf, diesen Ball zugespielt zu bekommen.
  7. Die basisdemokratische Organisation der Entscheidungsabläufe in einer AM-Redaktion ist in der Regel kontraproduktiv. Rechtschreibung, Grammatik, Stil und journalistisches Feingefühl sind nicht abstimmungsfähig. Ein Studium der Sozialpädagogik ist noch keine journalistische Qualifikation.
  8. Die Vereinsstruktur ist nach meiner Erfahrung keine gute Lösung: In Vereinen gibt es allzu viele Mitglieder, die zwar Engagement besitzen, aber keine Fachkenntnisse. Hinzu kommt, dass die Versuchung manchmal groß ist, nach zufälliger Wahl in den Vorstand („es gab keinen anderen …“) den Chef herauszukehren. Die Karre wird schnell an die Wand gefahren, wenn ein Vereinsvorstand, der sich aus beflissenen Laien zusammensetzt, journalistische Entscheidungen trifft.
  9. Ziel der AM sollte es sein, die Gesellschaft (oder Teilbereiche) zu verändern. Es sollte nicht darum gehen, eine Plattform für die persönliche Betroffenheit zu schaffen.