Abschlusserklärung Friedenskette

Vor 355 Jahren wurde in Münster und Osnabrück der „Westfälische Frieden“ geschlossen. Dieser Friedenschluss hatte einige Folgen, die bis in die heutige Zeit reichen. Die welthistorische Bedeutung des Friedensschlusses von Münster und Osnabrück lässt sich im Bezug zum Irakkrieg mit 2 Begriffen umfassen, die heute Allgemeingut sind, am 24. Oktober 1648 aber in ihrer Bedeutung und ihrem Ausmaß radikal neu waren.

Toleranz:

Drei Konfessionen – Katholizismus, Luthertum und Calvinismus – wurden als gleichberechtigte Konfessionen anerkannt. Damit wurde eine wesentliche Voraussetzung für eine religiöse Toleranz geschaffen.
Der Irakkrieg der USA und ihrer Verbündeten führen hingegen zu Hass in der arabischen Welt und einem Auseinanderdriften der Religionen. Diesem wollen wir mit dem interreligiösen Gebet in Ladbergen entgegentreten.
Ferner bringen wir mit dem Gebet zum Ausdruck, dass nahezu alle religiösen Oberhäupter diesen Krieg ablehnen und den religiös verbrämten Rechtfertigungen des amerikanischen Präsidenten eine entschiedene Abfuhr erteilen. #

Völkerrecht:

1648 wurde erstmals in der Geschichte des „alten“ europäischen Kontinents eine Konfliktlösung nicht durch Waffengewalt, sondern auf dem Verhandlungswege erreicht. Das Völkerrecht war geboren. Von nun an gab es eine Ordnung prinzipiell gleichberechtigter Staaten, die auf Vereinbarung und Völkerrecht beruhte. Auch politische Großmächte hatten sich in ein internationales System gleichberechtigter Staaten einzufügen, auch wenn die jeweilige Machtbasis sehr unterschiedlich war. Fortan konnte kein Potentat mehr Anspruch auf europaweite Herrschaft erheben.
Die Bush-Administration setzt sich über all diese Regeln hinweg. Sie erhebt einen Weltmachtsanspruch, redet von „gerechtem Krieg“ und von „Gottgesandtheit“. Er verstößt damit eindeutig gegen die in die vom westfälischen Frieden ausgehenden und in den letzten 355 Jahren gewachsenen Regeln. Mit seinen Reden von gerechten Kriegen und Präventivkriegen zeigt er vielmehr eine Denkweise, die eigentlich seit 1648 für weitaus überholt schien.
Mit unserer Menschenkette möchten wir symbolisch zeigen, dass die weitaus überwiegende Mehrheit der Menschen in der Welt dieses Verhalten verurteilt. Sie wendet sich gegen den Unilaterismus der Bush Administration. Sie wendet sich gegen die Geldgier der Ölindustrie, die beim Streben nach billigem Öl den Tod von Menschen in Kauf nimmt und den Ausbau regenerativer Energien verhindern will, um die Welt möglichst lange in ihrer Abhängigkeit zu halten.
Die Menschenkette zwischen den beiden „Friedensstädten“ soll die Geschlossenheit der Weltbevölkerung in dieser Ablehnung zum Ausdruck bringen. Schätzungen zeigen, dass etwa 90% der Weltbevölkerung, über alle Religionen hinweg, sich gegen dieses Verhalten wenden.
Daher fordern wir ein sofortiges Ende des Krieges, eine Verurteilung des Krieges durch die UNOGeneralversammlung, die Anrufung des internationalen Gerichtshofes, damit sich dieser mit diesem offensichtlichen Verstoß beschäftigen kann. Ferner fordern wir die Bundesregierung auf, sich mit all ihren Möglichkeiten für ein sofortiges Ende des Krieges einzusetzen, ein Überflugsverbots für die todbringenden B52 Bombern zu verhängen, und sich entschieden der Ausbeutung irakischer Ölvorkommen durch die amerikanische und britische Ölindustrie entgegenzustellen.
Jeder einzelne Mensch kann dazu beitragen, dass dieser Krieg beendet wird, jeder einzelne ist aber auch in der Pflicht, sich nach seinen Kräften für Frieden und Völkerrecht einzusetzen. Auch dafür ist die Friedenskette ein symbolisches, aber auch zutiefst persönliches Zeichen.